Tales of Nightshadow

Come, little children, I’ll take thee away
Into a land of enchantment – Children of the Night

„Nein.“, sagte Celestia, „Das kommt nicht in Frage. Es würde unser Königreich zu sehr schwächen, wenn wir jetzt eine neue Kolonie gründen. Wir haben uns schließlich gerade erst von Discord erholt und befinden uns im Wiederaufbau.“

„Und währenddessen quellen die Waisenhäuser über und die Fohlen leiden Hunger.“, konterte Luna, „Bist du dir sicher, dass das in ihrem Sinne ist?“

„Genug!“, erwiderte das weiße Alicorn, „Es ist beschlossen. Erst wird der Wiederaufbau abgeschlossen, bevor wir an eine Erweiterung unseres Reiches denken.“

Sie winkte mit ihrem Huf. Luna ließ den Kopf sinken und trabte aus dem Thronsaal heraus.

Hinter ihr schlossen sich die schweren Türen. Langsam wanderte sie durch das Schloss zu ihren Gemächern. Dort ging sie ruhelos im Kreis. Zum Bett, zur Kommode und dann zum Fenster. Die Stute blickte hinaus und sah die Trümmerlandschaft, die dereinst Canterlot gewesen war. Sie schloss die Augen und wandte sich ab, ging wieder in den Raum hinein. In der Mitte blieb sie stehen.

„Nun denn, liebe Schwester.“, murmelte Sie, „Du willst keine Kolonie gründen. Aber ich werde nicht Tatenlos zusehen, wie die Ponys leiden. Ich werde eine Kolonie gründen und sie wird nicht nur Überleben, sondern auch zeigen, das man mit festen Willen alles erreichen kann.“

Follow, sweet children, I’ll show thee the way
Through all the pain and the sorrows – Children of the Night
Die beiden Fohlen tobten durch die Ruinen.
„Bleib stehen, Nightshadow.“, rief das eine, ein Einhorn, „da vorne ist es gefährlich.“
„Was du schon wieder hast, Sunflower. Wo ist denn der Spaß, wenn man immer auf Nummer sicher geht.“, antwortete das angesprochene Fohlen, ein Erdpony. Aber es blieb stehen, so dass Sunflower aufschließen konnte.
„Man lebt bedeutend länger“, erwiderte sie, während Sunflower durch Nightshadows Mähne strich, „außerdem kann ich doch nicht zulassen, das meiner besten Freundin etwas zustößt. Wir sollten aber so langsam zurück gehen. Es wird bald dunkel und dann wird der Weg viel zu gefährlich.“
„Na gut.“, sagte Nightshadow niedergeschlagen, „Aber morgen schauen wir, ob in dem einen Trümmerfeld etwas ist, ja? Ich habe da ein gutes Gefühl.“
Sunflower lächelte. „In Ordnung. Aber jetzt sollten wir los.“
Die beiden Fohlen machten sich auf den Weg. Langsam schoben sich die Schatten über das verwüstete Canterlot. Als die beiden das Waisenhaus erreichten, legte sich die Nacht sanft wie eine Decke über die Stadt und das Schloss. Nur vereinzelt leuchteten Laternen. Ein sanfter Wind ging durch die Gassen und die Tiere der Nacht kamen aus ihren Verstecken.
Im Waisenhaus waren die Fohlen auf ihren Zimmern. Einige lagen schon im Bett, während andere noch ein wenig spielten, bis die Heimmutter, eine etwas ältere Einhornstute, herein kam.
„So, genug herumgealbert.“, schnarrte ihre Stimme, „Ab ins Bett. Bis morgen früh will ich nichts mehr hören.“
Die Fohlen, die noch nicht im Bett waren, sprangen auf und beeilten sich, in selbige zu kommen. Kurze Zeit war ein heilloses Durcheinander, bis alle im Bett waren. Kaum waren alle im Bett, da löschte die Heimmutter die Lichter. Mit einem schweren Schlag schloss sich die Tür und Ruhe kehrte ein. Unter der Tür schimmerte noch etwas Licht, aber auch dieses war nach einiger Zeit verschwunden.
„Bäääh.“, machte Nightshadow, die oben im Etagenbett lag, „wie ich diese alte Kröte hasse. Immer nur Vorschriften am machen, bloß keinen Spaß erlauben.“
Sie beugte sich über die Kante und schaute in das untere Bett, wo Sunflower lag.
„Die ist fast wie du.“, grinste sie ihrer Freundin zu.
„Du bist doof.“, konterte Sunflower, die aber ein Grinsen nicht unterdrücken konnte, „Ich bin ganz sicher nicht, wie sie. Ich bin viel hübscher.“
Bei den letzten Worten strich sie sich theatralisch durch die Mähne. Kurz herrschte Stille, dann begannen beide zu kichern.
„Ich freue mich schon auf morgen.“, sagte Nightshadow, „was wir wohl finden werden? Vielleicht ist es eine Garderüstung. Oder einen versteckten Schatz.“
Plötzlich kam ein Geräusch von der Tür und Nightshadow verstummte. Aber die Tür blieb geschlossen.
„Was war das?“, fragte Sunflower.
Neugier hatte sie gepackt, auch wenn es nicht ihre Art war. Sie schlug die Decke beiseite und schwang sich aus dem Bett.
„Warte.“, sagte Nightshadow und sprang aus dem Bett.
Leise schlichen sie zur Tür und öffneten diese einen Spalt breit. Sunflower lugte hindurch und erschrak.
„Die … Heimmutter.“, stammelte sie.
„Nightshadow zog die Tür weiter auf und sah, was ihre Freundin meinte.
Vor der Tür lag die Heimmutter. Ihre Augen waren geschlossen und sie atmete ruhig.
„Was du wieder hast.“, neckte der Erdpony, „Die ist eingeschlafen.“
„Mitten auf dem Gang?“, fragte Sunflower, als ihr Blick einen Reflex wahrnahm.
Wie in Trance ging das Fohlen in die Richtung und blieb vor einem großen Fenster stehen, durch das der Mond herein schien. Dabei hatte sie im Kopf eine Stimme, welche sie lockte und ihr Befreiung versprach.
„Hörst du das?“, flüsterte sie, „es ist … schön.“
„Ja.“, raunte Nightshadow, „wir sollten dort hin gehen.“
Während sie dort standen füllte sich der Raum mit den anderen Fohlen. Alle standen dort, lauschten dem Lied in ihrem Kopf und träumten von einem Land, wo es keine Sorgen gab. Wo sie alle glücklich sein konnten.
Mit einem Mal öffnete sich das Fenster und ein großes Alicorn schwebte herein, aber keines der Fohlen reagierte darauf. Sie starrten einfach nur in das Mondlicht.
„Meine lieben Kinder.“, begann das dunkelblaue Alicorn, „Wollt ihr mir folgen? Ich werde auch gut auf euch achten.“
Die Fohlen schüttelten leicht den Kopf, als ob sie gerade erwacht wären.
Eines von ihnen, ein Erdpony, trat vor ins Mondlicht.
„Ja. Ich will.“, sagte es mit ernstem Gesichtsausdruck.
Kaum hatte es die Worte ausgesprochen, als es sanft emporgehoben wurde und zum Fenster heraus schwebte. Erst strampelte es etwas, weil es damit nicht gerechnet hatte, aber nach einer Weile merkte es, dass es in der Luft rennen konnte. Es schnaubte fröhlich und tollte vor dem Heim in der Luft herum.
Die anderen Fohlen sahen dies und weitere traten vor. Auch diese begannen zu schweben, als sie sagten, dass sie folgen würden.
Auch Nightshadow trat vor. Und ebenso, wie die anderen, schwebte sie empor. Sie grinste und flog etwas durch den Raum.
„Komm Sunflower. Lass uns gehen.“, sagte sie.
Aber Sunflower hatte den Blick gesenkt, was das Erdpony irritierte. Sie schwebte zu Boden und trat auf ihre Freundin zu, deren Mähne über ihr Gesicht gefallen war.
„Was ist denn?“, fragte sie.
„Ich …“, sagte Sunflower, „werde nicht mit gehen. Es tut mir Leid.“
Erschrocken sah Nighshadow zu dem Einhorn.
„Du machst einen Witz.“, sagte sie, „Komm schon, das wird sicher toll.“
Aber Sunflower wandte ihren Kopf ab.
„Nein.“, sagte sie, „Ich machen keinen Witz. Ich werde nicht mit euch gehen. Auch wenn ich euch alles Glück wünsche, was es gibt. Aber ich bin kein Draufgänger, so wie du.“
Unter ihrer Mähne glitzerte es.
„Aber …“, stammelte Nightshadow, „aber was wird dann aus dir? Werden wir noch Freunde sein?“
Sunflower hob ihren Kopf und schaute ihrer Freundin aus verweinten Augen an.
„Wir werden immer Freunde sein.“, sagte sie.
„Außerdem wird die Trennung nicht für immer sein.“, sagte Luna, die das Gespräch mitbekommen hatte, „Eines Tages werden diejenigen, die mir heute folgen, sich mit den zurückgebliebenen wieder vereinen.“
„Und wann wird das sein?“, fragte Nightshadow.
Luna schaute zu dem Fohlen: „Das weiß ich nicht. Und es wird sicher auch nicht leicht werden. Aber ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um es so einfach zu machen, wie es geht.“
Ihr Blick wandte sich zum Mond.
„Wir müssen dann langsam los.“, sagte sie sanft, „Verabschiedet euch, bitte.“
Nightshadow fiel Sunflower um den Hals. Tränen liefen aus ihren Augen und tränkten das Fell ihrer Freundin. Aber genauso geschah es auch bei Sunflower.
„Bitte. Überleg es dir noch einmal.“, schluchzte sie leise, „Vielleicht sehen wir uns nie wieder.“
„Ich habe es mir überlegt.“, erwiderte Sunflower, die ein Schluchzen nur so gerade eben unterdrücken konnte, „Aber ich werde dich nie vergessen. Und ich werde warten. Jeden Tag.“
Sie löste sich sanft aus der Umarmung.
„Du kennst doch den Brunnen. Dort unten am Marktplatz. Dort werde ich jeden Tag auf dich warten, wenn die Sonne untergeht.“, versprach sie.
„Gut.“, meinte Nightshadow und wischte die Tränen aus ihren Augen, „Ich werde jeden Tag, wenn die Sonne aufgeht, eine Blume in deine Richtung schicken.“
Sie sahen sich noch einmal an. Dabei sah es so aus, als wollten sie sich gegenseitig genau einprägen. Dann wandte sich Nightshadow ab und schwebte durch das Fenster in die Nacht hinaus. Sunflower blieb vor dem Fenster sitzen und sah, wie ihre beste Freundin sich mit den anderen immer mehr entfernte. Selbst als Sie sie nicht mehr sehen konnte, saß sie noch dort. Dabei liefen ihr Tränen über ihr Gesicht.
Nach einiger Zeit erhob sie sich und schloss das Fenster. Sie fühlte sich unendlich ausgebrannt und ging langsam zurück in ihr Bett.
Come, little children, the time’s come to play
Here in my garden of shadows – Children of the Night
Nightshadow flog mit den anderen davon. Während sie sich immer weiter von dem Heim entfernte, blickte sie immer wieder zurück zu dem Fenster. Wind blies ihr die Tränen aus den Augen.
„Du brauchst nicht traurig zu sein.“, sagte Luna, die neben ihr flog, „Sie hat sich entschieden.“
„Ja, das hat sie.“, flüsterte Nightshadow, „aber was wird aus ihr? Und aus uns?“
Das kleine Erdpony erschrak innerlich, weil sie meinte, diese Worte währen eher die von Sunflower.
„Wir werden eine neue Gesellschaft aufbauen.“, erklärte Luna, „Eine, in der jeder zählt. Wo das Geburtsrecht für jeden gleich ist. Und später werden wir den Ponys, die uns nicht gefolgt sind, lehren, eine bessere Gesellschaft zu sein.“
Unter ihnen zogen die Lande dahin. Wälder wechselten sich ab mit ausgedehnten Wiesen und schroffen Bergen, auf deren Spitzen das ganze Jahr über der Schnee lag.
Luna blickte auf einen kleinen Forst.
„Dort.“, sagte sie, „Dort werden wir beginnen.“
Die Fohlen glitten durch die Luft auf den kleinen Wald zu, der am Fuße eines großen Berges lag. An der Stelle, wo die Gruppe landete, war an dem Berg eine Höhle. Die Fohlen betrachteten diese mit Argwohn. Das ein oder andere machte gar einen Schritt von der Höhle weg. Luna trat vor die Fohlen.
„Keine Angst. Dort drin werden wir nicht lange bleiben.“, sprach sie ihnen Mut zu, „nur solange, bis ihr eigene Häuser gebaut habt.“
Sie sah in die Runde der Fohlen.
„Aber ihr werdet jemanden brauchen, der euch Anleitet.“, fügte sie an, „Ich kann leider nicht die ganze Zeit bei euch bleiben. Aber ich glaube, ich weiß schon, wer euch dabei weiter helfen kann.“
Sie sah zu Nightshadow, die unsicher vortrat.
„Dies ist Nightshadow.“, eröffnete Luna, „Sie ist ein mutiges Fohlen, welches, wie ihr alle, während der Zeit des Chaos alles verloren hat. Bis auf ihren Mut und ihre Entschlossenheit. Als letztes hatte sie sogar ihre Freundin verloren. Ich bin mir sicher, das ein jeder von euch sie unterstützen wird. Seit füreinander da. Helft euch, wo ihr nur könnt. In der Höhle dort habe ich vor einiger Zeit schon ein paar Sachen vorbereitet, damit ihr einen guten Start habt.“
Die Fohlen sahen Luna mit zweifelhaften Gesichtern an.
„Seht es als ein Spiel.“, sagte Nightshadow, „das größte Spiel, was ihr euch vorstellen könnt. Wir werden jeden Abend sehen, was der einzelne in dem Spiel geschafft hat und jeder wird von den anderen Punkte bekommen.“
Die Minen der Fohlen hellten sich auf. Einige brachen gar in fröhliches Jubeln aus.
„Aber ich glaube, das Spiel wird nicht leicht.“, fügte Nightshadow hinzu, „Wir werden wahrscheinlich auch einige haben, die für immer aufhören werden, mit zu spielen.“
Das dämpfte die Stimmung jedoch kaum. Endlich würden sie spielen können, so lange und so viel sie wollen.
Ein kleines Pegasus trat vor.
„Und wie lange wird das Spiel gehen?“, fragte es, „Und was bekommt der Gewinner?“
„Nun … ähhh“, stammelte Nightshadow.
„Wie wäre es mit einer Statue?“, rief eines der Fohlen, „ich kann gut Figuren schnitzen.“
„Ich könnte die Spielregeln aufschreiben.“, ließ sich ein anderes vernehmen, „haben wir Pergament und Tinte?“
So äußerte jedes, was es konnte. Luna nickte anerkennend.
„Ich sehe, ihr habt es gut im Griff.“, sagte die Prinzessin der Nacht, „Ich werde euch für den Moment verlassen, da ich noch ein paar Dinge zu erledigen habe. In nächster Zeit werde ich immer wieder vorbei schauen, um zu sehen, ob es euch gut geht.“
Nightshadow nickte, dann flog die große Stute davon.
Die Fohlen hatten sich in die Höhle begeben. Licht und Wärme spendete ein kleines Feuer in der Mitte. Am Rand waren einige Heuballen und Decken, auf denen es sich die Fohlen gemütlich gemacht hatten. Die älteren hielten Feuerwache. Im hinteren Teil lagen weitere nützliche Gegenstände. Eines der Fohlen saß am Feuer und notierte mit der Feder die Regeln ihrer Gemeinde.
Nightshadow jedoch hatte sich vor die Höhle gesetzt. Ihr Blick ging nach oben zum Mond, der dort langsam seine Bahn zog. In ihren Hufen hielt sie eine kleine Blume, welche sie vor kurzem erst am Waldrand entdeckt hatte.
Als der Mond hinter dem Horizont verschwand und die Sonne sich anschickte, ihre Wärme und ihr Licht über das Land zu schicken, hob das Fohlen die Blume in die Höhe. Ein Windhauch erfasste die Blüte und hob sie von Nightshadow weg, welche ihr Nachblickte.
„Wir sehen uns bald wieder“, murmelte sie, bevor sie sich in die Höhle begab.
Weep not, poor children, for life is this way
Murdering beauty and passions – Children of the Night
„Und was war dann?“, fragte ein Fohlen.
Die alte Erdponystute lächelte.
„Nun, die kleine Gemeinde baute sich ihre ersten Häuser. Einige begannen damit, Felder anzulegen und Gemüse anzubauen. Es war eine einfache Zeit. Jeder half dem anderen. Luna kam noch zweimal vorbei. Jedes mal brachte sie hilfreiche Dinge.“
„Und was wurde aus Sunflower?“, fragte ein anderes Fohlen, „Haben sich Nightshadow und sie jemals wieder gesehen?“
Die alte Stute schaute zu den Kleinen.
„Bisher nicht.“, antwortete sie, „Aber noch haben wir auch noch nicht das Signal bekommen, das wir zurück zu den anderen Ponys gehen.“
Ihr Blick ging auf die Uhr.
„Es ist schon spät. Ab ins Bett mit euch.“, sagte sie lächelnd, „Nachher bekomme ich noch Ärger mit eurer Mutter. Und das wollen wir doch nicht, oder?“
Die Fohlen schüttelten die Köpfe und drückten die Stute noch einmal, bevor sie aus dem Zimmer rannten. Als das letzte Fohlen das Zimmer verlassen hatte, schaute die Alte aus dem Fenster und sah den Mond, auf dessen Antlitz die Silhouette eines Ponykopfes zu sehen war.
„Was siehst du, Mutter?“, fragte eine Stimme von der Tür.
Langsam drehte sich die alte Stute zu der Stimme um.
„Meine Vergangenheit.“, erwiderte sie, „Und ich hoffe auf eine Zukunft.“
Die Stute von der Tür trat neben die Alte und schaut mit ihr zum Mond.
Plötzlich blitze es vom Mond her auf und der Umriss war verschwunden. Erstaunt schauten sich die beiden Ponys an.
„Was war das?“, fragte die jüngere.
„Ich … bin mir nicht sicher. Aber ich glaube, unsere Zukunft hat begonnen und bald werden einige von uns alte Freunde wieder treffen.“
„Das Zeichen aus der Prophezeiung.“, meinte sie, „Du solltest jetzt auch schlafen gehen. Immerhin hast du morgen früh noch ein wichtiges Treffen mit dem Sonnenaufgang.“
Sie küsste die Alte auf die Wange.
„Schlaf gut, Nighshadow.“
Am nächsten Morgen, noch vor Sonnenaufgang, saß Nightshadow wieder an dem Höhleneingang, an dem vor so langer Zeit alles begonnen hatte. Und wieder hatte sie eine der Blumen in Hufen, welche sie damals los gesandt hatte. Sie hatte die Blumen, die es offenbar nur hier gab, gehegt und gepflegt. Sie beschützt, wie es ihr nur möglich war. Ihr Blick wanderte über die Gegend, die ihr zuhause geworden war. Aus den ersten Hütten, die mehr schlecht als recht errichtet worden waren, war ein kleines Dorf geworden. Die Ponys, die dort lebten halfen einander wo es nur ging.
Als die Sonne sich über den Horizont schob, hob sie, wie in den Monaten und Jahren zuvor, den Huf und wartete darauf, das der Wind die Blume mit sich trug, aber dieses mal passierte nichts. Es herrschte Windstille, wie sie es noch nie zuvor kannte.
„Nein.“, flüsterte sie, „Bitte nicht.“
Tränen stiegen ihr in die Augen, während sich die Sonne langsam immer weiter über den Horizont bewegte. Sie regte sich noch etwas höher, in der Hoffnung, das ein paar Zentimeter höher eine Brise ging, aber es blieb Windstill. Sie stand schon auf ihren Hinterhufen, als sie das Gleichgewicht verlor und nach vorne kippte. Hart schlug sie auf dem felsigen Untergrund auf.
„Nicht nach all den Jahren.“, schluchzte sie in den Boden.
Voller Verzweiflung schlug sie mit den Hufen auf den Boden.
So fanden die Fohlen, denen sie am Abend zuvor noch die Geschichte erzählt hatte.
„Oma. Oma.“, rief eines der Fohlen, „Wir haben Besuch. Warum weinst du?“
Langsam und zitterig drückte sich Nightshadow hoch.
„Es ist nichts. Eure Oma ist nur gestolpert.“, erwiderte sie, „Aber wer besucht uns denn?“
Die Fohlen halfen der alten Stute auf.
„Es ist ein großes Pony, mit einem Horn und Flügeln und ganz in dunkelblau.“, plapperten die Kleinen drauf los, „Sie sagte, das sie uns nach einem fernen Ort bringen will.“
Plötzlich war ihre Trauer und Verzweiflung verschwunden.
„Dann sollten wir sie nicht warten lassen.“, sagte Nightsahdow und ging mit den Fohlen zurück.
Im Dorf hatten sich alle auf dem Marktplatz versammelt. Ein Gemurmel lag über dem Platz, als Nightshadow dort eintraf. Langsam schritt sie durch die Menge, die ihr bereitwillig Platz machte, auf die Mitte des Platzes zu. Dort stand die Stute, von der die Fohlen berichtet hatten.
„Prinzessin Luna.“, sagte Nightshadow, „Es ist lange her.“
„Viel zu lange.“, erwiderte die Prinzessin, „Aber jetzt bin ich wieder da, nachdem ich lange Zeit hatte, nachzudenken.“
Nightshadow trat direkt vor Luna und sah ihr in die Augen.
„Ich vermute mal, es ist soweit.“, sagte die, „Das wir uns mit den anderen Ponys wieder vereinen.“
Luna nickte.
„Ich stelle es jedem frei, mir nach Canterlot zu folgen.“, sagte sie laut, „Ich will euch nicht von hier vertreiben oder euch umsiedeln. Ich habe gesehen, dass dies hier für viele ein zu Hause geworden ist. In einer Stunde werde ich wieder aufbrechen und jeder, der es wünscht, kann mir folgen. Ebenso werde ich jeden, der es wünscht später wieder hier her zurück bringen.“
Diese Ankündigung löste ein Aufregendes Gemurmel aus, besonders unter den Ältesten. Auch Nightshadow war unruhig geworden. Endlich war es soweit.
Die Versammlung löste sich schnell auf und einige beeilten sich, ein paar Dinge einzupacken.
Nightshadow brachte die Fohlen zurück.
„Tochter.“, sagte sie, „Ich werde für einige Zeit verreisen. Aber ich werde bald wieder zurück kommen.“
Die angesprochene sah Nightshadow an.
„Ich verstehe.“, sagte sie nur und umarmte ihre Mutter.
„Wir wollen auch mit.“, sagten die Fohlen, „Wir wollen auch dieses Canter … dingens sehen.“
Nightshadow lächelte.
„Später, meine Kleinen.“, sagte sie, „Wer passt denn auf eure Mutter auf, wenn ich nicht da bin?“
Die Fohlen jammerten noch eine Weile, aber Nightshadow machte ihnen klar, das es im Moment nicht ginge. Dann verabschiedete sie sich noch einmal von ihrer Tochter und ging zu den Treffpunkt, von dem es los gehen sollte.
Die Rückreise war genauso, wie die Hinreise. Wieder flogen sie mithilfe eines Zaubers. Nightshadow fühlte sich wie damals, als sie selber noch ein Fohlen war. Unbeschwert flog sie mit einigen anderen zurück. Sie genoss den Wind in ihrer Mähne, bis sie am frühen Abend vor den Toren von Canterlot landeten.
„Wenn ihr zurück wollt, meldet euch im Palast.“, sagte Luna.
Die Gruppe nickte geschlossen. Dann trennten sich ihre Wege. Ein jeder wollte etwas anderes sehen.
Nichtshadow trat durch das Tor und sah zum ersten mal nach langer Zeit wieder Canterlot. Ponys eilten durch die Straßen und über allem lagen die Geräusche einer geschäftigen Stadt. Auch, wenn sie Erinnerungen an diesem Ort alt waren, erkannte sie doch vieles wieder. Zielsicher schritt sie durch das Chaos der Ponys hin zum Marktplatz, dort, wo der Brunnen stand. Als dieser in Sichtweite kam, blieb sie kurz stehen und atmete noch einmal tief durch. Dann näherte sie sich ihm.
Sie sah erst nur die Spitze, wo Wasser über eine kunstvolle Statue nach unten plätscherte. Dann konnte sie die Statue erkennen. Sie schob sich durch die letzte Reihe von Ponys vor dem Brunnen. Und dann sah Sie sie.
Eine alte Einhornstute saß auf dem Brunnenrand. In ihren Hufen hielt sie einen Strauß Blumen, die Nightshadow nur zu gut kannte, und blickte in Richtung Sonnenuntergang.
„Entschuldigung.“, sagte Nightshadow, „Woher hast du diese Blumen?“
Die Stute drehte sich nicht zu ihr um.
„Diese Blumen lagen hier.“, erwiderte das Einhorn, „Ich warte hier seit sehr langer Zeit auf eine Freundin. Jeden Abend. Und jeden Abend fand ich eine Blume, genau hier. Nur heute … lag hier keine. Ich fürchte, das …“
Nightshadow trat neben ihr und reichte ihr die Blume, die sie am Morgen erst gepflückt hatte.
„Meinst du so eine?“
Das Einhorn wandte sich zu ihr um und starrte auf die Blume.
„Woher …?“, stammelte sie, dann hob sie den Blick, „Du.“
Das Einhorn ließ die Blumen fallen und fiel Nightshadow um den Hals. Tränen liefen ihr aus den Augen und tränkten das Fell ihrer Freundin. Und auch Nightshadow verbarg ihre Tränen nicht.
Endlich waren sie wieder zusammen.

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